Glitterhouse

Les Hommes Sauvages

Playtime

Bislang mein erster sicherer Kandidat für die Jahres-Top Ten, Punkt. Was Christof „Justice“ Hahn (git, voc.), Partnerin Viola Limpet (git, voc., vibraphon) und ihre Mitstreiter auf ihrem ersten Album hinlegen, passt, Ton für Ton und Song für Song. Ehrlich gesagt, bin ich ohne große Erwartungshaltung in dieses Album gegangen, aber schon der Opener, „Blast of Silence“ ist schlicht klasse. Ein verhaltener Rocker, mit unwiderstehlichem Riff, unaufdringlichen, sich überlagernden Gitarren, beinahe geheimnisvoll anmutendem Vibraphon, dazu die Doppel-Lead Vocals Christof Hahn’s und Viola Limpit’s. Ein Song-gewordener Roadmovie, übrigens ein Element das diese Platte durchgängig auszeichnet. Walkabouts wenn sie den Rock in sich wieder entdecken würden (was sie auf ihrem nächsten Album auch tun werden, soviel sei verraten) kommt einem unwillkürlich in den Sinn und die ungeteilte Aufmerksamkeit haben sie sich damit schon verdient, um gleich mit einem gnadenlos guten Thin White Rope Cover („Mr. Limpit“) nachzulegen, das seinen hypnotischen Charakter auf einer unendlich weiten, relaxten Prairie a la Simon Bonney – Everywhere oder Gun Club – Miami zelebriert, Hut ab! Es folgt mit „Sandmann“ gleich ein weiterer Winner, das ebenfalls mit seinem dominanten Xylophon-Riff den Hörer völlig in seinen Bann zieht. Bei diesem ersten teilweise in Deutsch (und teilweise in Französisch) gesungenen Track wundert man sich in Nachhinein, wie harmonisch und unspektakulär auch unsere Sprache im Kontext „Rock“ funktionieren kann. Und es geht in der Qualität weiter, Rock, Blues, Americana, Chanson und Indie sind die Koordinaten, auf denen sich eine beeindruckende Band-Persönlichkeit entwickelt. Wer Nick Cave, Walkabouts, Simon Bonney mag, wird hier Geistesverwandtes entdecken. Daß Hahn früher bei den Swans und jetzt bei Hugo Race Gitarre spielt, Chris Spedding sein Saitenspiel zur Verfügung stellt, Drummer Thomas Wydler hauptberuflich für Nick Cave in den Bad Seeds zugange ist, soll hier keine „Namedropping“-Käufer anziehen, denn: zu gut ist das, was Les Hommes Sauvages hier servieren, und das mit einer singulären, schwer in Worte zu fassenden Distanz, Gleichmütigkeit (die auch Weisheit sein kann); jedenfalls durchzieht das ganze Album eine Gelassenheit im Vortrag (hervorragend unspektulär aber effizient Wydler, begeisternd in allen Facetten das oft in x-Spuren daherkommende Gitarrenspiel Hahn’s) , das die unmittelbar packenden Songs aufs Stärkste kontrastiert und so zu noch mehr monolithischer Wirkung erhebt.

Musikalische Faszination pur, ungefiltert, als CD in schönem Digipack, als LP in audiophilem, limitiertem 180 Gramm Vinyl (mit dem Roxy Music Cover „Remake/Remodel“ ein Bonus-Track), eine Platte, die man nicht mehr missen will. (lm)

„Im perfekten David Lynch Film wären Les Hommes Sauvages die Band on stage im Nightclub. Relaxed, ungehetzt und melodisch sind die Songs, mit einer Sensibilität für die Bedrohung, die immer in der Luft liegt.“ (Tip Berlin, Platte des Monats)