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Album des Monats Januar 2005

Les Hommes Sauvages – Playtime (LP, Disques Sauvages, www.les-hommes-sauvages.org)


Erschien bereits Ende 2004, erreichte mich aber erst zu Beginn des neuen Jahres. Hörer der Sendung „Roots“ auf Radio Eins werden zumindest den Gitarristen und Hauptsongschreiber dieser Combo kennen. Wenn auch in vielen Fällen eher unbewusst. Kristof „Justice“ Hahn ist es nämlich, der für das wunderschöne atmosphärische Instrumentalstück, mit dem jede Roots Sendung beginnt, verantwortlich zeichnet. Seit den frühen 80er Jahren ist Kristof in der Berliner (West, muss man hier ergänzen) alternativen Rockmusikszene unterwegs. Alternativ steht hier übrigens nur als Abgrenzung zu Mainstream und etabliertem Muckertum, nicht als Genre Bezeichnung, wofür solch ein Wort gewiss nicht taugt. Vor allem mit den Legendary Golden Vampires aber auch mit Solo Platten und als Session und Live Gitarrist in diversen Bands machte Hahn immer mal wieder von sich reden. Seine Partnerin bei dieser nun auch schon seit einigen Jahren bestehenden leicht frankophilen Roots Rock Band hier ist Viola Limpet, die Insider noch als eine Hälfte der Tumbling Hearts kennen. Das war ein singendes, musizierendes Schwesternpaar, das mit viel Aplomb und einigem Charme so eine Art Roots Pop machte. Vergleichbar vielleicht dem was Holly Golightly heute so macht. Nun, auch das hier von Kristof und Viola gemeinsam mit Unterstützung weiterer Musiker eingespielte erste Album der „Wilden Menschen“ bezieht seine musikalische Stärke und Kompetenz aus ähnlichen Quellen, wie das schon die vorangegangenen Projekte der beiden taten. Die Platte ist dreisprachig. Die deutschen Songs lassen unwillkürlich an Element Of Crime denken. Glücklicherweise strahlen sie nicht so sehr diese Bedrückung aus, die Sven Regeners Songs sehr oft verbreiten. Trotz aller Melancholie ist da auch so ein Augenzwinkern. Eine Art Heiterkeit, die ich mit Ringelnatz z.B. verbinde. Die französischen Songs haben eigentlich wenig von Chanson oder anderem typisch Frankophilen. Vielleicht steckt da irgendeine persönliche Sache dahinter. Musikalisch unterscheiden sich die Songs eh nicht nach Sprachen. Sie stehen in einer typischen Roots Rock Tradition. Irgendwo zwischen Gun Club und den Flaming Stars, doch mit einer gewissen Luftigkeit, mehr Pop Appeal. Das macht sicher auch der häufige Einsatz von Vibraphon neben eher mit dem Besen gespielten Drums und gelegentlichem Klagen einer Trompete oder auch Harmonika. Keine Rockplatte also, obwohl die Zutaten eigentlich alle vorhanden sind. Wie auch der Bandname so viel weicher und lieblicher klingt, als auf Deutsch oder gar Englisch. Weder Viola noch Kristof singen schön im Sinne von makellos klar und sauber. Das macht aber überhaupt nichts. Ihre Stimmen passen wohltuend zu den Songs, deren Wirkung ebenfalls eher in ihrer Gebrochenheit und Beiläufigkeit besteht. Zwei erstaunlich eigenständig interpretierte Cover – Mr. Limpet von Thin White Ropes „In The Spanish Cave“ und Remake / Remodel von Roxy Musics Debütalbum – sind als willkommene Ergänzung zu den acht eigenen Songs zu hören. Eine LP, die nicht nur an langen Winterabenden für Entspannung und Unterhaltung sorgt. [[[[[