der bubblehouseprint - plattenrausch

23.01.2005


Les Hommes Sauvages

»Playtime«

2005 (Disques Sauvages, Glitterhouse)

Lineup: Viola Limpet - Vox, Git; Kristof Hahn - Git, Vox, Vib; Thomas Wydler - Drums, Vib, Perc; Adrian Hörcher - Bass; Eric Le Maréchal - Paroles; Special Guests: Chris Spedding - Git (4,7); Yoyo Röhm - Bass (7); Giles Schum - Harmonica (3,9); Martin Klingenberg - Trumpet (2,8)

Sinfonie einer Großstadt

von Paul Juchli


Es ist nicht 1927, und es handelt sich ebenso wenig um eine Filmkritik eines Klassikers des jungen Kinos. Aber es ist Berlin und den Schreibenden erreichen Klänge einer Band, von der noch einiges zu erwarten ist. Les Hommes Sauvages werden ganz sicher zu einem Klassiker im bohemen Plattenregal. Die Facetten des Gefühlszustandes eines modernen Großstadtbewohners reichen von dunkelster Schwere bis zum beschwingten Jauchzen, was aber nie so recht zu wirklich gelösten Höhenflügen losgelassen wird. Les Hommes Sauvages haben ihren Schützlingen zugeschaut und zugehört, nachgedacht und daraus sieben wunderbare Songs gemacht, die sie mit zwei Coverversionen, "Mr. Limpet" von Thin White Rope's und "Cigarette" von Jaques Higelin, garnierten. Das Ergebnis ist das grandiose Debut der bereits 1999 gegründeten Berliner Formation.


Das Repertoire von Les Hommes Sauvages umfasst englisch- sowie deutschsprachige Songs. Dazu gesellen sich zwei in Zusammenarbeit mit dem Lyriker Eric Le Maréchal entstandene französische Songs. Das Debut der Band um Kristof Hahn (ehemals Gitarrist der Swans) und Viola Limpet (ehemals Sängerin der Tumbling Hearts) entstand unter tatkräftiger Hilfe des Nick Cave Schlagzeugers Thomas Wydler. Zudem gastiert Gitarrenlegende Chris Spedding (Roxy Music) bei zwei Stücken auf "Playtime", den man einst für die Neufassung von Lee Hazelwoods "Your Thunder And Your Lightning" erstmals gewinnen konnte.


Ganz entspannte, sachte Melodien verleihen dem Liedgut von Les Hommes Sauvages diesen so angenehmen, beobachtenden Charakter, als wollten sie dem Beteiligten im Zweikanalton das Geschehen parallel auch erzählen. Das passt ganz in die berichtende Tradition des gepflegten Chansons. Aber das allein wäre Les Hommes Sauvages zu wenig. Weit mehr Einflüsse lassen sich in ihrer sanften Art zu spielen erkennen. Im Gitarrenspiel, was jedem Song eindeutig die Note gibt, mischt meist der vollends überzeugende Hauch des Blues mit, der aber auch mal dem des Country weichen muss. Das ganze wird durch wunderbar zarte Drums, Percussions und einen schlichten, sehr zurückhaltenden Bass geführt, während das gelegentliche Einsetzen von Harmonika oder Trompete den ganzen Ohrenschmaus garnieren. Mit spielerischer Leichtigkeit lassen Les Hommes Sauvages ihren zweistimmigen Gesang Geschichten erzählen. Diese fast ausschließlichen Duetts setzen dem Besonderen natürlich die Krone auf.


Pass auf, Bewohner dieser Stadt! Streifst du wieder einmal durch die Straßen Berlins, ist es sehr wahrscheinlich, wenigstens eine Melodie von Les Hommes Sauvages auf den Lippen zu haben. Unbemerkt scheinen Les Hommes Sauvages an der nächsten Ecke zu stehen, begleiten die Stadt mit ihren Tönen und singen dir einen bohemen Song. Verweile einen Augenblick und rauche eine dazu.


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