VÖ: 28.11.2010

Format: CD






Les Hommes Sauvages
Vive La Trance

Drei Jahre nach dem inzwischen vergriffenen Zweitling “Trafic“ legt das Berliner Quintett um das kongeniale und multi-linguale Frontpaar Viola Limpet (ex-Tumbling Hearts) und Kristof Hahn (ex-Swans) ein neues Werk voll düster-atmosphärischem Rock’n’Roll vor. Es beginnt mit einer überraschenden Coverversion von „Gottseidank nicht in England“ („…und wenn die Wirklichkeit Dich überholt hat, hast Du keine Freunde, nicht mal Alkohol…“) der ersten Fehlfarben, dass zwar völlig anders als das Original arrangiert ist, eher im Sinne zeitgemäßen, druckvollen Progressive Art-Wave a la Pere Ubu mit Viola Limpets elegisch-ferner Stimme im Kontrast, aber dennoch voll den Kern des Songs trifft. Überhaupt beispielhaft, wie spannend die Coverversionen des Albums sind, musikalisch deutlich entfernt von den Originalen und doch immer stimmig und schlicht gigantisch gut: Thin White Rope’s „Atsronomy“ vom Überwerk „In The Spanish Cave“ als psychedelisch-hypnotischer Schleicher mit gefühlten tausend Gitarrenspuren und entfernt echoender Pedal Steel, Lee Hazelwoods vielleicht erotischster Song für (und einst mit) Nancy Sinatra „Your Thunder & Your Lightning“ (mit Chris Spedding als Gast Gitarristen) als atemberaubend treibende Rocknummer im Stile von „Grand Theft Auto“ der Walkabouts, mit gigantischer Orgel von Mike Strauss, oder das vergessene John Cale Juwel „Dying on the Vine“ von Artificial Intelligence und kurz vor Toresschluß die Berserker-gleiche, für mich ultimative „Me & My Gun“ Version der alten Aussie Combo 14th of July. Insgesamt 5 Coverversionen, 5 eigene Stücke (von denen „Sad & Lonesome“ ein Remake des Koolkings Tracks ist, jener Band, die Kristof Hahn in den Achtzigern zusammen mit Alex Chilton betrieb), trotzdem eine Platte wie aus einem Guss, so unterschiedlich auch die Stile sind. Gerade wegen dieser Divergenz bleibt immer die Spannung erhalten, flacht es nie ab. Dazu kommt die ganz exzellente, unglaublich druckvolle, klare Produktion Kristof Hahns, der geniale und exzessive Umgang mit den Gitarren, Thomas Wydler (Cave’s Drummer in den Bad Seeds) brilliantes, wandlungsfähiges Schlagzeug Spiel und natürlich der einzigartige Gesang Viola Limpets und Kristof Hahns, der wie eine perfekte Rock Noir Version Nancy Sinatras und Lee Hazelwoods oder Serge Gainsbourgs und Jane Birkins daherkommt. Viel, viieeel mehr Leute sollten dieser Band ihr Ohr leihen, ein großes, dunkel-glühendes und zeitloses Meisterwerk. (lrm)