Haller Kreisblatt vom 12. September 2005

»Playtime« im Kulturbahnhof
»Les Hommes Sauvages« konzertierten und verzauberten Publikum

Borgholzhausen (ed). Ihre perfekt vorgetragenen Kompositionen verzauberten das
Borgholzhauserner Publikum im B3 in einer lauen Sommernacht.
Vier hervorragende Musiker gastierten im Kulturbahnhof: »Les Hommes Sauvages«
- das auf internationalem Parkett bekannte Quartett aus Berlin - bot handgemachten
»Rock’n’Roll noir« und spielte Songs aus ihrem aktuellen Repertoire »Playtime«.

Präzises Instrumenten-Tuning und ein akribischer Soundcheck gingen dem B3-Auftritt
der »Les Hommes Sauvages« voran. Es folgte ein heißes Konzert mit optimal angepassten
Lautstärken, einem gefälligen, absolut gehörrichtigen Mix, in dem die cool gekleidete Band
dem Borgholzhausener Publikum völlig stressfrei urbanen Rhythm ’n’ Blues »rockig« und
»rollig« und vor allem »noir« servierte.

Musikalischen Aufschlag auf dem bunt beleuchteten Centercourt des B3 hatten das legendäre
Gesangs- und Gitarrenduo Viola Limpet und Kristof Hahn. Mit von der klingenden Partie war
auch Adrian Hörcher - er zupfte erfolgreich »mit links« seinen 4-saitigen Bass. Außerdem:
Anthony Pieretti, ein exzellenter Schlagzeuger aus dem »Big Apple«, aus der Metropole
New York. Der Drummer bearbeitete einfühlsam mit Sticks, Besen und Filz die Trommelfelle
und lieferte der Band einen haargenauen Timecode.

In der vordersten Reihe zupften und »plektronisierten« Viola Limpet und Kristof Hahn
ihre elektronisch verstärkten Instrumente. Die saitenschwingende Harmonie zwischen ihrer
»halbakustischen« und seiner »soliden« Gitarre kombinierten die beiden mit Gesang in den
Stimmfarben Sopran und Tenor. Vokal bauten sie durch exakte Simultanität jene typische
Spannung auf, die von der ewig weiblich-männlichen Differenz berichtet und die in den Liedern
der »Les Hommes Sauvages« alternierend über Liebe und Einsamkeit erzählt.

Anglo-amerikanische, französische und deutsche Lyrik gibt den Songs des »Rock’n’Roll noir«
einen polyglotten Touch und der von der Berliner Formation angebotene musikalische
Pluralismus mit Stücken wie »Sandmann«, »Blast of Silence« und »Les Lettres« bot den offenen
Ohren des B3-Publikums einen ganz besonderen Reiz. Urplötzlich durchbrachen überraschende
Fingersätze des Lead-Gitarristen Kristof Hahn die »Schallmauer« und seine blitzschnellen Soli
mit lang anhaltendem Sustain verzauberten alle hörenden Herzen.

»Les Hommes Sauvages« präsentierten im B3 mit ihrem Programm »Playtime« eine durchaus
eigenständige musikalische Galaxie, eine tönende Milchstraße, die harmonisch um ein massives
schwarzes Loch, dem »Rock’n’Roll noir«, rotiert. Die kreativen Spiralarme der Band kreisen um
ein rhythmisch pulsierendes Zentrum und bilden gemeinsam ein wohlklingendes Universum.
Viel Spaß beim nächsten Umlauf!

Edwin Rekate
edwin.rekate@uni-bielefeld.de